Standards an der Schule für Erziehungshilfe
Krisenmanagement
Definition
"Alltagssprachlich ist mit dem Wort Krise eine schwierige, gefährliche Entwicklung, Zuspitzung oder Verschärfung, eine Entscheidungs- oder Ausnahmesituation gemeint" (zitiert nach G. Caplan).
siehe Webseite Schulpsychologie
Was nach dieser Definition als Krise im Sinne einer schwierigen Situation bewertet wird, unterliegt der subjektiven Bewertung des jeweiligen Betrachters.
Nach Caplan verläuft eine Krise in vier [Phasen].
Zum Krisenmanagement gehören alle Maßnahmen der Krisenprävention, -intervention und -nachsorge (vgl. ebd.).
Link zur [Praevention], [Intervention] und [Nachsorge]?
Leitfragen
- Welche Formen von [nicht-institutionalisiertem] und institutionalisiertem [Krisenmanagement] gibt es?
- Wo liegen eventuell institutionelle [Ausloeser] von Krisen?
- Wo liegen die [Grenzen] des Krisenmanagements in der Schule?
- Welche außerschulischen [Hilfen] gibt es?
Nicht-institutionalisiertes Krisenmanagement
Unter dem Begriff nicht-institutionalisiertes Krisenmanagement haben wir Maßnahmen zusammengefasst, die in der Regel eher individuell, d. h. von einzelnen LehrerInnen bzw. in den jeweiligen Gruppen und nicht einheitlich im Gesamtsystem Schule umgesetzt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass einige der im Folgenden aufgeführten Punkte kein Teil institutionalisierten Krisenmanagements sein können.
Prävention (Vorsorge)
Hierunter fallen alle Maßnahmen, die dazu beitragen die Entstehung einer Krise zu verhindern oder deren Auswirkungen verringern. Durch frühzeitiges Erkennen kann der Krisenverlauf in den Phasen 1 und 2 aufgehalten werden.
Präventionen in direkter Zusammenarbeit mit den SchülerInnen
- Streitschlichter
- Sanitäter
- Gespräche nach Wochenenden und Pausen (Konfliktbearbeitung)
- "HEISSER STUHL:" Die psychisch harte Durchführung des "HEISSEN STUHLS" ist allerdings nur bei älteren Schülern in der SEK I verantwortbar, also etwa ab dem Altern von 16 Jahren. Für die Grundschule soll nur das präventive Coolness-Training angewandt werden! Die Durchführung setzt eine spezielle Ausbildung des/der Pädagoginnen voraus.
- Stimmungsbarometer
- Trainieren von Konfliktlösungsstrategien für den Ernstfall
Präventionen durch LehrerInnen
- Störungen haben Vorrang
- regelmäßige Gespräche mit allen am Erziehungsprozess beteiligten Personen (frühzeitige Erkennung evtl. Krisenauslöser)
- regelmäßige Gespräche mit SchülerInnen
Intervention (Fürsorge)
Hierzu gehören alle Maßnahmen und Hilfestellungen, die bei einer bereits entstandenen Krise zum Tragen kommen.
Interventionen durch/mit SchülerInnen
- SchülerInnen durch 1. Hilfe-Kurse ausbilden
- Mediation/Streitschlichter
- MitschülerInnen als Vermittler "einsetzen"
- Techniken für den Ernstfall eintrainieren
Interventionen durch LehrerInnen
- paradoxe Intervention
"siehe Uni Münster":http://www.psy.uni-muenster.de/inst3/AEbromme/web/Projekte/Therapie/SYSTEM/SYPARA.html
siehe Artikel Paradoxe Intervention
(siehe Buchempfehlung: Paul Watzlawick: "Anleitung zum Unglücklichsein"
- Deeskalation, z.B. durch Trennen der beteiligten Konfliktpartner (auch bei LehrerIn-Schüler-Konflikt/Bsp. Trainingsraum), Auszeiten ermöglichen, "Publikum" fern halten usw.
- Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen, wie z. B. Einrichtungen der Jugendhilfe (Tagesgruppen, Heime usw.), Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD), Jugendhilfe und Polizei
- Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten
Nachsorge
Zur Nachsorge zählen Maßnahmen, die im Anschluss an eine Krise zum Einsatz kommen, um die betroffene Person zu stabilisieren. D. h. es geht um die Bearbeitung der durch die Krise entstanden Folgen und um Prävention im weiteren Sinne.
- evtl. körperliche Nachsorge durch einen Arzt
- Gespräche mit allen am Erziehungsprozess beteiligten *(Ermittlung möglicher Krisenauslöser und Suche nach geeigneten Maßnahmen)*
- evtl. Vermittlung an außerschulische Einrichtungen zur Unterstützung bei der Krisenbewältigung (schulpsychologischer Dienst, Psychiatrie, Jugendhilfe usw.)
- Wiedergutmachung
- Reflexionsgespräche; auch i. S. von "Wo hätte ich Handlungsalternativen gehabt?"
- Erarbeitung von Handlungsalternativen
Institutionalisiertes Krisenmanagement
Unter schulischem Krisenmanagement wird in der Regel die Begleitung von SchülerInnen verstanden. Die Begleitung des Personals bei schulischen Krisen halten wir für ebenso wichtig. Es sollte selbstverständliche Aufgabe der Institutionsleitung sein, die KollegInnen in Krisensituationen entsprechend zu unterstützten. Institutionalisiertes Krisenmanagement beinhaltet Maßnahmen, die innerhalb des Gesamtsystems Schule als Standards vereinbart gelten. Sie werden durch die Schaffung der notwendigen institutionelle Rahmenbedingungen gesichert und kommen bei allen SchülerInnen und dem Personal zum Tragen. Die in der folgenden Tabelle aufgeführten Punkte können solche Regeln oder handlungsleitenden Grundsätze darstellen.
|
SCHÜLER/INNEN
|
PERSONAL |
|||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
PRÄVENTION (Vorsorge) |
PRÄVENTION (Vorsorge) |
|||||||||
|
|
|||||||||
|
INTERVENTION (Fürsorge) |
INTERVENTION (Fürsorge) |
|||||||||
mehr Informationen zu "LIFE SPACE" in Fernuni Hagen: Band SONDERPÄDAGOGIK - mit dem Titel: "Von Drachen, Igeln und Schnecken - Entwicklungsförderung von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten in der Grundschule" Autorin: Marita Bergsson, erschienen: 1999, Nr. 4586 Lifespace: S. 90ff, Übungen dazu S. 136-138 oder im Internet: Fernuni Hagen ____________________________________
|
|
|||||||||
|
NACHSORGE |
NACHSORGE |
|||||||||
|
|
|||||||||
Institutionelle Auslöser
- unstrukturierte Ankunfts- und Pausenzeiten der SchülerInnen
- ungünstige Gruppenzusammensetzungen
- mangelnde Kenntnis über die aktuelle Lebenssituation der SchülerInnen durch zu geringen Austausch zwischen den am Erziehungsprozess beteiligten
- mangelnder Konsens hinsichtlich der Erziehungs-/ Förderziele zwischen Teamkollegen und/oder Gesamtkollegium
Phasen des Krisenverlaufs
- "Die üblichen Techniken des Problemlösens werden herangezogen; sie bleiben wirkungslos, die Spannung steigt weiter an.
- Der Mensch entdeckt, dass er das Problem nicht lösen kann, das Unbehagen wächst.
- Die anwachsende Spannung wird zu einem mächtigen inneren Stimulus, mobilisiert innere und äußere Ressourcen. Lösungen werden erprobt, die für Notsituationen zur Verfügung stehen; das Problem wird neu definiert.
- Kann das Problem nicht gelöst werden, nehmen Unbehagen und innere Spannung zu; es kommt zu einer Desorganisation der Person.
Im Normalfall gelingt es nach einigen Tagen oder Wochen wieder, das seelische Gleichgewicht zu erlangen und wie gewohnt weiterzuleben ..." (zitiert nach G. Caplan).
Grenzen des Krisenmanagements in der Schule
Grenzen des schulischen Krisenmanagements liegen unserer Meinung dort, wo die Ursachen und Auswirkungen der Krisen nicht mehr oder nur unzureichend mit pädagogischen und institutionellen Maßnahmen bearbeitet werden können, sondern eine therapeutische Unterstützung erforderlich machen:
- Partner-, Eheberatung im Rahmen der Arbeit mit Erziehungsberechtigten
- psychotische Störungsbilder (Depression, frühkindliche Störungen, Essstörungen usw.)
- wiederholte Situationen (massiver) Selbst- und Fremdgefährdung liegen vor
Die Verantwortung von Schule liegt dann in der Weitervermittlung an eine entsprechende Einrichtung.
Außerschulische Hilfen
- Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD) der Jugendhilfe
Einrichtungen und Dienste der Jugendhilfe (Tagesgruppen, Sozialpädagogische Familienhilfe, Pflegeeltern, Einzelfallhilfe ...)
- kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtungen
- schulpsychologischer Dienst
- PsychologInnen
Welche Anregungen oder nützliche Informationen haben Sie für uns?
Ideen und Anregungen an info@netzwerk-e.de